Schuldenschnitt: Schafft sich Griechenland jetzt selbst ab?

Zum Beginn dieser Woche ließ der griechische Ministerpräsident Papandreou eine wahre Bombe platzen.

Er will das griechische Volk darüber entscheiden lassen, ob es zum Schuldenschnitt von etwa 50 Prozent kommt (darin sind übrigens auch Zinsen enthalten, sodass Griechenland dabei de facto nicht etwa wirklich die Hälfte seiner Schulden erlassen bekommt, sondern bedeutend weniger) – verknüpft mit weiteren strengen Sparmaßnahmen – oder nicht.

Eine Ablehnung des Schuldenschnitts würde für Hellas wohl den sofortigen Staatsbankrott und den Austritt aus der Euro-Zone bedeuten. Damit wäre dieses Thema schon mal erledigt, obwohl die etwa 70 Milliarden Euro, die schon sinnlos an Hilfsgeldern nach Griechenland geflossen sind, weg wären. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann man nur hoffen, dass die Griechen den Schuldenschnitt ablehnen werden.

Griechen werden Schuldenschnitt ablehnen

Und das werden die Griechen auch tun. Alles andere wäre undenkbar. Denn die Griechen müssen zwischen Pest und Cholera wählen und werden sich für ihre Unabhängigkeit von Brüssel entscheiden. Was nach einem Staatsbankrott mit ihnen (den Griechen) passieren wird, darüber wird sich kaum einer den Kopf zerbrechen, die allmächtigen griechischen Gewerkschaften werden dafür sorgen.

Für den – aus heutiger Sicht – sehr unwahrscheinlichen Fall, dass sich die Griechen für einen 50%igen Schuldenschnitt entscheiden werden, wäre Papandreou und der gesamten verhassten Staatsführung der Rücken gestärkt und das will wohl ebenso niemand.

Ist man Griechenland los, kann man den Euro retten

Es darf also durchaus angenommen werden, dass die Griechen gegen den Schuldenschnitt und damit gegen weitere Sparzwänge stimmen werden (dass sie danach wohl den Gürtel umso enger schnallen müssen, das werden sie erst merken, wenn es schon viel zu spät ist). Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone ist dann wie gesagt mehr als wahrscheinlich. Und das kann für die Eurozone nur positiv sein.

Es ist wie bei einem Krebskranken: hat man den Tumor erst mal entfernt, könne alle Organe gleich wieder viel besser arbeiten. Was aber, wenn dieser Tumor vorher schon gestreut hat (in unserem Fall durch die Ausgabe von Staatsanleihen an Banken, Versicherungen, etc.)? Wird dann nicht noch alles umso schlimmer?

Ehrlich gesagt: ich kann es mir nicht vorstellen. Der Schuldenschnitt von 50 Prozent liegt in etwa in dem Bereich, den die Banken ohnehin schon längst aus ihren Büchern abgeschrieben haben. Und? – Sind die schon pleite? – Keine Spur davon! Also dürfte die Abschreibung des Rests auch noch zu stemmen sein. Und außerdem rette ich doch lieber die deutschen Banken (und verstaatliche diese, führe sie also ins Volksvermögen über) anstatt das Geld komplett in den griechischen Wind zu schießen. In ersterem Fall hätte der deutsche Steuerzahler wenigstens noch etwas davon. Der Euro wäre auf jeden Fall zunächst einmal gerettet.

Ist das Ganze nur ein Ablenkungsmanöver?

Doch was genau steckt eigentlich hinter Papandreous Vorstoß? – Geht es wirklich um eine Abstimmung pro oder kontra Schuldenschnitt? Oder gilt es vielmehr darum, den anderen Euro-Ländern zu zeigen, dass das immer stärker aufkommende Bedürfnis nach Basisdemokratie, also nach Volksabstimmungen nicht funktioniert, da es in Griechenland – und aktuell auch an den Weltbörsen – zum Crash geführt hat.

Also lediglich ein geschicktes Manöver, um das zarte Pflänzchen „direkte Bürgerbeteiligung“ im Keim zu ersticken? Zuzutrauen wäre es Papandreou, Sarkozy, Merkel und Co. durchaus! – Und wo wir gerade beim Thema Crash sind: Sind die Marktteilnehmer eigentlich noch aus ihrer Parallelwelt, ihrem absoluten Übertreibungswahn herauszubekommen? – Unternehmen, die nicht einmal einen Prozent ihres Geschäftsumsatzes mit griechischen Kunden machen um 10 Prozent und mehr abzustrafen?

Ich bin der Meinung, dass wir so langsam an einem Punkt angekommen sind, wo man sich überlegen sollte, ob ein derart ungeregelter Markt überhaupt noch Sinn macht. Nicht mehr und nicht weniger. Ein geschickter Schachzug von Papandreou (der so oder so dabei eigentlich nichts gewinnen kann, denn wird abgelehnt, ist er seinen Job los und wird zugestimmt, hassen ihn die Leute noch mehr) oder doch nur ein Ablenkungsmanöver von etwas viel Größerem?

Vielleicht will er ja auch einfach nur einen noch höheren Schuldenschnitt heraushandeln. Auch das wäre eine plausible Erklärung für die „Androhung“ einer Volksabstimmung! Und wie ist ihre Meinung dazu? Ich bin auf Ihre Kommentare gespannt!

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6 Gedanken zu “Schuldenschnitt: Schafft sich Griechenland jetzt selbst ab?

  1. Die Mehrheit der Griechen (70 %) will in der Euro-Zone bleiben. Die Mehrheit der Griechen (60 %) ist gegen die Sparmaßnahmen. Das passt nicht zusammen. Wenn die Abstimmungsfrage lautet würde: “Sind Sie für den Verbleib in der Euro-Zone” wird das Griechenlandproblem weiter bestehen bleiben. Die Griechen wollen offensichtlich nicht sparen. Am besten, sie scheiden aus der Euro-Zone aus.

  2. Ein geschicktes Artikel von dem deutschen Standpunkt. Von meinem eigenem englischen Standpunkt sehe ich eine weitere Moeglichkeit. Die Bestimmungen fuer das Bail-Out retten Griechenland so-wie-so nicht und sind gerade von Angels Merkel so ermessen worden, dass Griechenland sie ablehnt. Und jetzt eine weitere Moeglichkeit – das gibt Angela Merkel den Grund, Deutschland selbst aus der Misere heraus zu ziehen.
    Folgendes habe ich an meinen eigenen Klientenzirkel geschrieben:

    Which way will the Germans jump?
    This is the most difficult question of all. On the one hand, by saddling itself with weak economies but sharing a single currency Germany has enjoyed the export benefits of a currency which is weaker than its own economic performance warrants. (Conversely the less efficient economies saddled with a currency being pulled by Germany above the level of their own economic effectiveness, have seen their exports lose out against cheaper competition.) It would seem therefore that the Germans have benefitted economically from the single currency. But this only remains true so long as they do not have to use the extra income to pay for the income shortfalls of others. Economics and finance are simply not aligned in this scenario. Quite simply the Germans cannot afford to pay for the financial shortcomings of their neighbours. While it may be true that the likes of Siemens and Daimler Benz have enjoyed a boom from the common currency, it is not they who are being asked to pay up the shortfall. Instead the German government/taxpayer is being asked to step in; and the Government has a budget deficit of its own to cope with. The notion is still being put abroad that Germany will not jump but will see this problem through, because of the economic benefits it enjoys. Nor are the likes of Daimler Benz going to give up their government lobbying stance without a struggle, given the need to deliver increasing returns to their shareholders. But this notion is wearing increasingly thin as the financial impossibility of effectively bailing out their customers begins to hit home. Despite the economic benefits there are no free lunches.
    So what is Germany’s economic alternative? Quite simply to leave the Euro – it is the simplest and cleanest of all similar options. Once they have paid out enough to be able to say, they have done their bit and behaved like true Europeans, it would make perfect sense for them to leave. It would certainly leave the weak countries in a default situation; but it would give politicians on both sides someone to blame, thereby retaining a semblance of their own credibility, or should I say giving the politicians the excuse to continue pretending that have acted correctly all along. In addition it would ultimately make the Greeks and others more competitive again. The counter argument is that it would mean a sharp rise in the value of Germany’s currency ( along with the Netherlands and a few others who joined them), but the Germans have weathered that particular difficulty many times before. We only need to look back to the time when it took DM11.20 to purchase £1 and now it takes only the equivalent of DM2.30, to understand Germany’s economic capability. One reader has hinted to me that the new currency is already in the making, ready to float if/when the time comes. A further thought – a Germany with its own greatly re-valued currency, would find it somewhat cheaper to fund future euro bail-outs, if it so wished, and would also be able to name its own terms without having to argue the toss with other Euro members. After the headaches of recent months, no-one could blame them. And what is the alternative? If the countries in trouble were to leave the Euro, it would be chaos, not just for them but for Germany too.
    So why is the question so difficult to predict? It lies partly in political inertia and of course in government lobbying by German industry to preserve what seems for them a very advantageous status quo, but I suspect also in the need of politicians to retain what they perceive as their credibility and in the “political capital” they have invested in the Euro project. They have got to bring this off without revealing all the wrong choices they have made in the past. There is a third possibility and that would be for Germany to come up with its own currency in the event of a general default along its southern shores. But my bet is that the financial impossibility of continuing the current policy will force the hand of the German government to act before then and before the politicians have sorted out their credibility dilemmas. As the drama unfolds, the antics of politicians will appear increasingly futile until one particular straw, whatever that may be, breaks the camel’s back. – Ende meines Artikels –
    Es klingt bestimmt momentan unmoeglich. Aber wie wird es sein noch in einigen Monaten? Ein Freund hat mir erzaehlt, dass De La Rue schon dabei sind, neue deutsche Banknoten zu drucken. Ob das stimmt, weiss ich es nicht.Aber sicher ist es, man hat noch nicht angefangen, die fundamentalen oekonomiscke/industrielle Gruende fuer das Problem zu loesen. Die andere Moeglichkeit, waere eine fiskalische Union. Koennen Sie es sehen, dass die deutsche Bevoelkerung dazu stimmen wuerden wuerden! Ich weiss es nicht aber ich als Deutsche wuerde niemals dazustimmen.
    Gruss – HY

    • Harold, wie immer sehr gut zusammengefasst! Zwei Kommentare meinerseits noch dazu:
      1. Dass bereits neue DM-Scheine gedruckt werden hab ich auch gehört. Dies hat eine sehr bekannte und angesehene US-amerikanische Wirtschaftsberaterin in einem interview behauptet. Sollte ich den Link noch finden, stelle ich ihn hier rein.
      2. Die aktuelle Situation erinnert ein bisschen an Bismarck und Kaiser Wilhelm. Bismarck hatte das Deutsche Reich in eine starke Bündnispartnerschaft mit allen europäischen Großmächten geführt. Wilhelm riss dieses Netz innerhalb weniger Jahre wieder ein. Wir alle wissen, wohin das geführt hat. Ich bin ganz klar der Meinung, dass Deutschland aus dem Euro raus muss. Aber was passiert danach. Ist Deutschland dann nicht genauso isoliert wie vor dem Ersten Weltkrieg? Das wäre fatal!

  3. Knappe Meinung zum großen Thema:
    Papandreou führt m.E. einen Zweifrontenkrieg:
    1. Gegen die parlamentarische bürgerliche Opposition, welche die Krise zum Sturz der sozialdemokratischen Regierung nutzen will
    2. Gegen die lauten Protestierer unter den Griechen, die nicht akzeptieren wollen, dass der “Staat” auf Dauer keine Wohlfahrtseinrichtung zur Alimentierung überflüssiger Arbeitsplätze sein kann, sondern dass das Volkseinkommen in der globalisierten Weltwirtschaft erarbeitet werden muß.
    Obwohl er sehr hoch pokert, ist schon heute aus Straßeninterviews erkennbar, dass die Bürger zwar sehr gern protestieren und streiken, aber lieber keine persönliche Verantwortung durch Abstimmung übernehmen wollen: Erpressung!
    Die Opposition redet von “miesem Trick” zum Machterhalt.
    Papandreou könnte gewinnen.

    • Papandreou dürfte spätestens heute Abend Geschichte sein. Und alles läuft wieder einmal auf einen Zweite-Wahl-Kandidaten hinaus. Hat man in Griechenland nichts gelernt? Leider sind hier immer noch zu starke parteipolitische Kräfte am Zug, sodass griechenland auch mit neuem Regierungschef den Turnaround nicht schaffen und im kommenden Jahr pleite gehen wird.