Die Energiewende und die Wirtschaft: Gelingt der “grüne Turnaround”?

Der deutsche Atomausstieg: Herausforderungen und Chancen

Die deutsche Bundesregierung hat im Frühjahr 2011 angesichts der Ereignisse im japanischen Atomkraftwerk Fukushima den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Bis zum Jahr 2022 werden alle deutschen Atomkraftwerke stillgelegt. Die konventionellen Energieträger sollen dabei bis 2050 durch regenerative Energien ersetzt werden. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der deutschen Stromversorgung soll bis 2020 auf mindestens 35 Prozent verdoppelt werden. Der Energiewende steht somit scheinbar nichts mehr im Wege.

Die energiepolitische Kehrtwende der Bundesregierung stieß allerdings nicht in der gesamten deutschen Wirtschaft auf Zustimmung. Bisherige Geschäftsmodelle waren angesichts des Atomausstiegs nicht mehr tragfähig. Neue Konzepte, Ideen und Technologien waren gefragt. Die Reaktion an den Aktienmärkten war unterdessen eindeutig: Anteilscheine von Solar-, Wind- und Wasserkraftanbietern schossen in die Höhe, während die Aktien traditioneller Versorger wie RWE und E.ON unter deutlichen Druck gerieten.

RWE und E.ON: Es geht auch ohne Atomstrom

Nach der Reaktorkatastrophe in Japan hatte die Bundesregierung die ältesten Kernkraftwerke im Rahmen eines Atom-Moratoriums für drei Monate abschalten lassen. Von dieser Entscheidung waren neben EnBW und Vattenfall auch die beiden größten deutschen Energieversorger E.ON und RWE betroffen. Der endgültige Ausstieg aus der Atomenergie sorgte bei den beiden Konzernen für heftige Reaktionen: In Zeitungsinterviews, Klageandrohungen und öffentlichen Stellungnahmen machten die beiden Großkonzerne ihrem Ärger gegenüber der Bundesregierung Luft. Im August dieses Jahres mussten E.ON und RWE ihre Prognosen für das Gesamtjahr nach unten revidieren. Hierfür wurden in erster Linie die Brennelementesteuer und die Belastungen aus der deutschen Energiewende verantwortlich gemacht.

Doch auch wenn RWE und E.ON in diesem Jahr vor allem beim Thema Atomenergie für Schlagzeilen sorgten, sollte nicht vergessen werden, dass beide Konzerne bereits seit geraumer Zeit ihr Portfolio an erneuerbaren Energien erweitern. RWE setzt mit der im Jahr 2008 gegründeten Sparte “RWE Innogy” auf regenerative Energien wie Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse. Im Jahr 2010 investierte der Konzern über 700 Millionen Euro in das Segment und damit mehr als in das Öl- und Gas-Geschäft (rund 500 Millionen Euro). Der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Kraftwerksleistung von E.ON lag im vergangenen Jahr bei knapp 11 Prozent und damit fast auf dem Niveau der Kernenergie. Bei den regenerativen Energien setzt der Konzern auf Wasser, Wind, Solar und Bio-Energie. Ferner kündigte der Versorger im September an, sein europäisches Solarstrom-Portfolio durch neue Photovoltaik-Anlagen in Italien zu erweitern. Mit Herausforderungen gehen also gleichzeitig auch neue Chancen einher.

Siemens: Motor der deutschen Energiewende?

Der deutsche Traditionskonzern Siemens zauderte nur kurz: Im September kündigte das Unternehmen an, dass man aus dem Atomgeschäft aussteigen werde. Siemens reagierte damit eigenen Angaben zufolge auf die klare Positionierung der deutschen Gesellschaft und Politik. Vorstandschef Peter Löscher betonte hierbei, dass Siemens ein Motor der deutschen Energiewende sein werde. Das Umweltportfolio will der Münchener Mischkonzern beständig ausweiten. Neben den Windenergie-Aktivitäten im Segment “Renewable Energy” ist der Konzern unter anderem im Bereich der intelligenten Netze für eine dezentrale Energieerzeugung, so genannten Smart Grids, und in der Elektromobilität engagiert. Im Jahr 2010 konnte Siemens mit den Umweltaktivitäten bereits einen Umsatz von 28 Milliarden Euro erwirtschaften.

Gelingt der “grüne Turnaround”?

Die unterschiedlichen Reaktionen der deutschen Wirtschaft auf den angekündigten Ausstieg aus der Atomkraft spiegeln die Herausforderungen und Chancen der Energiewende wider.

Uns interessiert Ihre Meinung: Was halten Sie von der Reaktion der deutschen Wirtschaft? Sind nüchterne Denker oder eher Visionäre gefragt, um die Energiewende in Deutschland voranzutreiben?

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