Slowakei verweigert EFSF-Rettungsschirm, Badlands die Lösung?

Wie erwartet hat das slowakische Parlament in der Nacht zum Mittwoch seine Zustimmung zum so genannten Euro-Rettungsschirm EFSF verweigert.

Wie ich schon in meinem letzten Artikel zum Euro-Desaster Kund tat, ist dieser Schritt eigentlich verständlich, denn wieso sollte ich als Slowake, der ich nur etwa ein Drittel des Gehalts eines Angestellten in Griechenland und sogar weniger als ein Drittel der Rente eines Griechen bekomme, gerade den Reform-unwilligen Griechen mein Steuergeld zuschustern. Weitere Gelder bekommt Griechenland übrigens auch ohne, dass die vorgegebenen Ziele erreicht werden, wie man zu Beginn dieser Woche beschlossen hat. Der (Un-)Wille zählt.

Slowakei führt sich selbst ad absurdum

Doch eigentlich kann einem das Abstimmungsergebnis der Slowakei egal sein. Denn man kann sich ja – wie wohl auch in jedem anderen Euro-Land – sicher sein, dass auch die Slowakei nur von Macht-geilen Politikern regiert wird, denen Steuergelder egal sind, solange sie wieder auf die Regierungsbank kommen können. Denn eines scheint bereits vor dem Nein zum Rettungsschirm klar gewesen zu sein:

Sollte dieser abgelehnt werden, dann vollzieht man einfach eine Regierungsumbildung, lässt die Sozialdemokraten mitregieren und die werden dann – obwohl sie eigentlich gegen den Schirm sind – brav zustimmen, weil es ja ein paar gute Pöstchen zu verteilen gibt. Absurd und zugleich menschen verachtend!

Rettungsschirm dient ausschließlich der Bankenrettung

Mindestens genauso absurd ist nun die Tatsache, dass man neben den eigentlichen Schurken- ähh Schuldenstaaten auch noch parallel gleichnamige Banken mit Milliarden retten will. Man muss zugeben, dass Sarkozy das natürlich geschickt eingefädelt hat. Auch wenn es schon etwas dreist anmutet, dass der französische Staatspräsident noch bevor der Rettungsschirm überhaupt gebilligt ist, Mittel daraus zur Rettung französischer Banken zweckentfremden will.

Doch im Gegenzug scheint er den Hauptzahler Deutschland nun bei einem Schuldenschnitt in Griechenland zu unterstützen. Logisch, denn jetzt wo mehrere hundert Milliarden Euro zur Rettung der eigenen Banken bereitstehen, da kann man Griechenland ruhig pleite gehen lassen.

Rettungsaktionen werden immer unlogischer

Es stellen sich dabei eigentlich nur noch zwei Fragen:

Erstens: warum nimmt man nun eigentlich öffentlich das Wort Schuldenschnitt für Griechenland in den Mund? – Vor wenigen Wochen wäre man damit noch zum Volksverhetzer gemacht und zum Tode verurteilt worden.

Und zweitens: Welchen Sinn macht es, erst Milliarden in einen maroden Staat(ssumpf) zu pumpen und dazu noch parallel Banken zu retten. Warum lässt man Griechenland nicht einfach pleitegehen und rettet nur die Banken, die sich mal wieder verzockt haben? Geht es dabei etwa wieder um das Thema Angst? – Hat man mehr Angst davor, dass die Leute ihre Sparguthaben verlieren oder ihre Rentenansprüche?

Wäre es nicht sinnvoller es bei einem eher unbedeutenden Euro-Land wie Griechenland mal darauf ankommen zu lassen und dann eben marode Banken zu verstaatlichen? Hätte man letztgenannte nach dem Lehman-Desaster und den danach erfolgten teilweisen Zwangsverstaatlichungen eigentlich überhaupt wieder aus dem Einfluss des Staates entlassen dürfen? Haben die sich danach nicht noch zusätzlich mit toxischen Papieren aus Griechenland, Portugal und Co. eingedeckt?

Badlands als ultimative Lösung

So langsam wäre es an der Zeit für anständige Lösungen! Warum schafft man nicht endlich die schon längst überfälligen Badlands, also eine Art Gegenpol zu den so genannten Bad Banks. Jedes Euro-Land darf dort seine Schulden einbringen und sich somit aller Sorgen entledigen. Die Badlands müsste man unter dem Namen Absurdistan ziemlich weit am Rande Europas platzieren, also etwa auf den Azoren oder Spitzbergen, um die überdies toxischen Papiere möglichst aus dem eigenen Blickfeld zu bekommen.

Als Regierungskabinett würden sich als erweiterte Troika (auch so ein sozialistisch angehauchter Begriff, der in diesen Tagen immer mal wieder gern gebraucht wird) durchaus Sarkozy, Merkel, Schäuble, Juncker und Papandreou anbieten, Regierungschef dürfte Trichet werden, der ja aus Altersgründen in Kürze seinen Job als Präsident der Europäischen Zentralbank an den Nagel hängen muss und sich damit doch noch ein Denkmal setzen könnte.

Als einzige Regierungspartei käme die Piratenpartei in Frage. Erstens wegen der Insellage und zweitens, weil sie in Sachen Wirtschaftskompetenz noch nicht mal von den ahnungslosen Mitgliedern des Deutschen Bundestags unterboten wird.

Klingt alles absurd, sagen Sie? Wirklich? Noch absurder als das, was aktuell an Lösungen präsentiert wird? Haben Sie eine Patentlösung für Europas Schuldenproblem? Was sagen Sie zu der Schmierenkomödie in der Slowakei und dazu, dass Griechenland nun weitere Milliarden zugeschustert bekommt, obwohl es weder den Willen zeigt, zu sparen noch die gesteckten Ziele nur im Entferntesten eingehalten hat?

Kostenlose Updates

Tragen Sie unten Ihre Email-Adresse ein, um neue Artikel per Mail zu erhalten:

Wir hassen Spam genau wie Sie und geben Ihre Daten in keinem Fall an Dritte weiter!


Wie Sie erfolgreich in den Mega-Trend Energiewende investieren

Wenn Sie in die Energiewende investieren wollen, bieten sich Ihnen heutzutage enorme Chancen.

Doch die Risiken sind nicht ohne.

Viele Investoren sind auf kurzfristige Gewinne aus und machen den Markt dadurch unberechenbar.

Deshalb setzten gerade langfristige Investments eine solide Wissengrundlage voraus.

Was genau von Relevanz ist und welche Branchen die erfolgversprechendsten sind, erfahren Sie im kostenlosen Sonderreport zur Energiewende in Deutschland.

Mehr erfahren


5 Gedanken zu “Slowakei verweigert EFSF-Rettungsschirm, Badlands die Lösung?

  1. Pingback: Von EFSF zu ESM: Der Euro-Raum schafft sich ab

    • Lieber Herr Wehmeier, es ist allgemein bekannt und wird von Insidern auch bestätigt, dass mehr als zwei Drittel der Bankengewinne mit riskanten Transaktionen (man könnte es auch Zockerei nennen) verdient werden. Nur ein Drittel entfällt auf das eigentliche Bankengeschäft, also Kreditvergabe, Privatkundengeschäft, Immobilien, Versicherungen etc.

  2. Lieber Herr Roedel !
    Ich bin echt erschüttert. Ich konnte mir so etwas in meinem schlimmsten Albtraum nicht vorstellen, dass Bundestagsabgeordnete sooooo uninformiert an eine Abstimmung gehen, wobei es darum geht ob ihre Enkelkinder die Schulden von heute noch zahlen werden. Oder es rechnet schon jeder mit einer schuldenentlastenden Hyperinflation. Und was noch erschwerend dazukommt, alle Euro-Länder sind sich beim “big-spender” sein einig.
    Dafür können die “armen Griechen” 400 Panzer in Amerika bestellen.

    • Es bleibt zudem festzuhalten, dass sogar die Ersteller der vorliegenden Sendung keine Ahnung vom Ausmaß der deutschen Beteiligung haben. Diese liegt nämlich nicht bei 211 Milliarden, sondern bei 120% davon, also bei 253 Milliarden. Grund dafür ist, dass alle Bürgschaften bzw. Kredite mit 120% abgesichert sein müssen, da man sonst des Top-Rating verlieren würde.