Biogas, Fluch oder Segen der erneuerbaren Energie?

Die Energieerzeugung aus Biomasse besitzt landläufig nach wie vor einen schlechten Ruf. Vor allem die Mainstream-Medien impfen der Bevölkerung immer mal wieder recht gerne ein, dass Biogasanlagen daran schuld seien, dass auf der Erde Menschen verhungern.

Der Grund dafür sei ganz einfach die Tatsache, dass in Biogasanlagen ja Unmengen von Mais und Getreide „verbrannt“ würden. Ist diese Technologie also überhaupt ökologisch, das heißt, verdient es überhaupt den Namen „grün“, ist es politisch gesehen sinnvoll, ist es ethisch überhaupt tragbar und welchen Gesamtnutzen hat die Energieerzeugung aus Biomasse für uns Menschen – vor allem auch hinsichtlich der Diskussion um den Klimawandel und die Eindämmung des selben? Bevor auf diese Fragen näher eingegangen werden soll, zunächst einmal ein paar Grundinformationen zum Thema:

Was ist eigentlich Biogas?

Biogas besteht zu 50 bis 75 Prozent aus dem Gas Methan (CH4) und zu 25 bis 50 Prozent aus Kohlendioxid (CO2). Zum Vergleich: Erdgas besteht zu 85 bis 98 Prozent aus Methan. Biogas entsteht als Folge einer Vergärung von Biomasse, die unter Luftabschluss stattfindet. Die eigentliche Zersetzung dieser Biomasse wird dabei von verschiedenen Mikroorganismen erledigt.

Wie funktioniert eine Biogasanlage?

Biogasanlagen gibt es in unterschiedlichen Größen wobei die Anlagen auf die entsprechenden Einsatzstoffe eingestellt werden. Durch den Gärprozess von Gülle, Mist, Gräsern, Grünroggen oder ganzen Maispflanzen entsteht Methangas, das einen Gasmotor antreibt, der Strom und Wärme produziert.

Mit der Abwärme werden Stallungen, Häuser oder öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder beheizt. Verbleibende Reststoffe werden als Biodünger auf den Feldern ausgebracht und somit der CO2-Kreislauf wieder geschlossen.

Das Vergären in der Biogasanlage ist übrigens sehr umweltfreundlich: Weil Methan rund 20-mal klimaschädlicher ist als CO2 und dieses Methan in der Biogasanlage abgefangen wird, gärt es nicht auf den Feldern aus und gelangt somit auch nicht in die Atmosphäre.

Macht Biogas ein schlechtes Gewissen?

Wer befürchtet, Biogas steht in Konkurrenz zur Erzeugung von Lebensmitteln, der sollte etwas genauer hinter die Kulissen schauen. Die EU zahlt nach wie vor sogenannte Stilllegungsprämien für bestimmte Agrarflächen.

Auf diesen Flächen darf der Landwirt keine Lebensmittel anbauen, um Überproduktionen zu vermeiden. Erlaubt sind aber nachwachsende Rohstoffe für Biogasanlagen. Zudem kommen in die Biogasanlagen hauptsächlich Gräser, Gülle, HTK (Hühnertrockenkot), diverse Mistsorten und übrig gebliebene Zuckerrüben, welche die Industrie nicht mehr abnimmt.

Auch der Mais wird mit Stumpf und Stiel und natürlich den vielen Blättern komplett in die Anlage eingebracht. Die verwertbare Frucht ist dabei ein verschwindend kleiner Teil.

Energieerzeugung aus Biomasse bietet enorme Steigerungsmöglichkeiten

Die Energieerzeugung aus Biomasse trägt aktuell etwa 5,6 Prozent zum gesamtdeutschen Energiemix bei. Bei Biomasse existiert weiteres Steigerungspotenzial, allerdings nur in eingeschränktem Maße durch die Vergärung von Nutzpflanzen.

Potenzial gibt es allerdings noch in der Nutzung von Pflanzenabfällen. Und auch bei der Effizienz sind noch Steigerungspotenziale vorhanden. Denn alles steht und fällt mit den Mikroorganismen, die die Biomasse in Biogas umsetzen.

Deutsche Forscher haben herausgefunden, dass diese durch die Zugabe von beispielsweise Spurenelementen schneller und besser arbeiten und die Ausbeute nachhaltig steigern können.

Man geht davon aus, dass somit aus Bio-Abfallstoffen bis zu 80 Prozent mehr Biogas gewonnen werden kann, als dies bisher der Fall ist. Auch wenn das aktuell noch wenig realistisch erscheint, denn aus Mais lässt sich aktuell ganz klar mehr Biogas erzeugen als durch Pflanzenabfälle.

Warum genau das so ist, weiß bisher niemand. Man geht aber davon aus, dass die bisher sehr unkontrolliert ablaufende Vergärung gerade auch deshalb recht ineffizient abläuft. Es sind noch nicht einmal alle Mikroorganismen erforscht, die zur Vergärung beitragen.

Festzuhalten bleibt, dass die Energieerzeugung aus Biomasse in vielerlei Hinsicht ein enormes Steigerungspotenzial besitzt und mit Hilfe technischer Hilfsmittel wohl auch eine Steuerung des jeweiligen Energieertrags möglich ist.

Biomasse also als Allheilmittel für die Energiewende?

Die Bundesregierung sieht dabei im Rahmen der Energiewende enormes Potenzial, denn neben der Förderung des Baus von Biogasanlagen erhalten Betreiber noch diverse Boni und sogar die Erzeugung und Nutzung der entstehenden thermischen Energie wird bezuschusst.

Oder sollten gerade bei dieser Form der Energieerzeugung lieber ethische und moralische Bedenken vorne anstehen? Sollte dabei nicht die Vergärung von Pflanzen- und Küchenabfällen stärker erforscht und dementsprechend finanziell unterstützt werden? Wie ist Ihre Meinung zur Energieerzeugung aus Biomasse?

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4 Gedanken zu “Biogas, Fluch oder Segen der erneuerbaren Energie?

  1. Früher haben Reit- und Zugtiere Pflanzen gefressen, heute wird aus Pflanzen eben Biogas hergestellt, womit auch Kfz mit Erdgas-Motor betrieben werden (können). In beiden fällen dienen bzw. dienten Pflanzen als Energielieferant. Nachdem zwischenzeitlich überwiegend fossile Energieträger (Erdöl, Erdgas) für Transportzwecke verwendet wurden, kommen wir mir Biogas wieder zu den Wurzeln zurück.
    Ein großer Vorteil von Biogas ist, dass es als Energielieferant grundlastfähig ist – im Gegensatz zu Photovoltaik und Windenergie.

    • Die Grundlastfähigkeit ist noch nicht zur Gänze gegeben, es wird aber intensiv daran geforscht, wie man eine möglichst 100%ige Kontrolle über den Energieertrag erhalten und diesen damit steuern kann. Trotzdem ich der Meinung bin, dass sich dies zu einem Großteil realisieren lassen wird, haben wir es hier dennoch mit Bakterien, also Lebewesen zu tun, die sich – seien wir einmal ehrlich – nie zu 100% steuern lassen werden.

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