Pleite Griechenlands durch EFSF aufgeschoben

Aufgeschoben statt aufgehoben

… so oder so ähnlich könnte man das bezeichnen, was die Euro-Regierungschef da gestern in Brüssel beschlossen haben. Insgesamt 159 Milliarden Euro an weiteren Hilfsgeldern soll Griechenland erhalten.

Und auch der private Bereich, bestehend aus Banken und Versicherungen soll und wird sich daran beteiligen. Zusätzlich dürfte gestern wohl endgültig der Schritt hin zu einer Transferunion im Euro-Raum geschaffen worden sein. Doch der Reihe nach.

Griechenland erhält nun also zunächst einmal weiteres Geld, und zwar zu nur noch 3,5% Zinsen mit einer Laufzeit von 15 bis 30 Jahren. Die Laufzeit verdoppelt sich dadurch und der Zinssatz sinkt um mehr als 25%. Das Geld (109 Milliarden Euro) soll vom Stabilitätsfonds EFSF kommen, in den alle Euro-Staaten einzahlen.

Weitere 50 Milliarden Euro sollen von privaten Gläubigern, also allen voran Banken und Versicherungen kommen. Etwa drei Viertel dieses Pakets (37 Milliarden Euro) besteht im Grunde genommen nur in einer Verlängerung der Laufzeiten bestehender Staatsanleihen. Das heißt im Klartext, dass Griechenland nun mehr Zeit zur Rückzahlung seiner Schulden eingeräumt bekommt.

Weitere 12,6 Milliarden Euro sollen durch, mit Abschlag an den EFSF verkaufte Anleihen, generiert werden. Wie hoch dieser Abschlag sein wird, steht noch nicht fest. Es wird damit gerechnet, dass die privaten Gläubiger auf 30 bis 50% der eingesetzten Summe verzichten müssen.

Zwischenfazit: Auf den ersten Blick könnte man durchaus von einer dreifachen Mogelpackung sprechen. Denn das Problem der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands wird durch die ersten beiden Maßnahmen ja nur einige Jahre (bis etwa 2018) nach hinten verschoben. Zudem werden sich private Gläubiger augenscheinlich nicht mit 50 Milliarden Euro, sondern lediglich maximal mit 12,6 Milliarden Euro an der Griechenland-„Rettung“ beteiligen.

Weiterhin kann der EFSF vermeintlich angeschlagenen Staaten jetzt schon im Vorfeld Kreditlinien anbieten. Damit soll verhindert werden, dass diese Länder Staatsanleihen zu – durch Spekulanten – hochgetriebenen Zinssätzen ausgeben müssen.

Stattdessen können jene Staaten aus dem EFSF Kredite für einen Zinssatz um 3,5% erhalten. Die Laufzeiten dieser Darlehen können von siebeneinhalb auf 15 Jahre ausgeweitet werden.

Und: der Rettungsfonds darf in Zukunft auch Anleihen am so genannten Sekundärmarkt, also von Banken und Versicherungen kaufen.

Schlussfazit: Das, was die Staats- und Regierungschefs da gestern beschlossen haben reiht sich nahtlos in das allgemein übliche Vorgehen der politischen Kaste ein: Wir schieben alles einfach mal ein paar Jahre weiter in die Zukunft, sollen sich doch dann meine Nachfolger darum kümmern.

Hauptsache ich gewinne die nächsten Wahlen (Sarkozy in diesem Jahr, Merkel 2013). Ob und dass die Laufzeitverlängerung Griechenland helfen wird, darf indes stark bezweifelt werden. Denn das Land bekommt weiterhin keinen Fuß auf den Boden. Protestierende Taxifahrer und streikende Steuerbeamte werden sicherlich nicht viel zu einem erhofften Wirtschaftsaufschwung beitragen.

Mit einer brachliegenden Wirtschaft wird Griechenland aber nicht in der Lage sein, ab 2018 seine Schulden abbezahlen zu können. Naja, vielleicht doch, wenn der Euro bis dahin 90% an Wert verloren hat…

Wobei noch einige weitere Probleme ungeklärt bleiben: Irland, Portugal, Spanien, Italien, Belgien, usw. Aber auch da hat man ja mit dem EFSF schon vorgesorgt. Denn vor allem mit der Möglichkeit des Kaufs von Anleihen am Sekundärmarkt und möglichen Präventivkrediten sind wir einer Euro-Transferunion wieder einen Schritt näher gekommen.

Achja, bevor ichs vergesse: in elf Tagen sind die USA übrigens pleite! – Nur mal so am Rande! – Lässt sich übrigens auch ganz gut am Goldpreis ablesen.

Liebe Leserinnen und Leser, was halten Sie von den Beschlüssen, die jetzt Fakt sind? Ist der Euro noch zu retten? Oder wurde mit dem gestrigen Beschluss der Zerfall der Euro-Zone nur aufgeschoben, statt aufgehoben?

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4 Gedanken zu “Pleite Griechenlands durch EFSF aufgeschoben

  1. Sarkastisch würde ich sagen ich freue mich 2018 auf einen anständigen Edelmetallpreis.
    Das jetzige Szenario soll eigentlich nur mal eben schnell die Bevölkerungen beruhigen. Aber wer sich das ganze mal in Ruhe anschaut, wird sehen das von den ganzen Geld kein Wirtschaftswachstum aufgebaut wird, sondern nur Konsum. Und der alleine ist eher schlecht. Die Erfahrungen hatte man eigentlich jahrzentelang in Afrika gesehen. Reines Geld ohne richtige Investitionen hat dort auch nichts gebracht.

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