Alles Moody’s oder was?

Ratingagenturen – innig geliebt und zugleich total verhasst! Das bringt es momentan wohl am besten auf den Punkt. Während die Europäer – allen voran natürlich die Finanz-„Experten“ es am liebsten sehen würden, wenn Moody’s, Fitch Ratings sowie Standard & Poor’s möglichst komplett von der Bildfläche verschwinden würden, jubeln deren Gegenspieler auf der anderen Seite des Atlantiks (noch) über ihr AAA-Rating, das ihnen die drei Agenturen (noch) bescheinigen.

All denjenigen, die mit dem Begriff Ratingagentur trotz aller Diskussion nicht viel anfangen können sei mit auf den Weg gegeben, dass Ratingagenturen grob gesagt die Bonität bestimmter Unternehmen oder Staaten einschätzen, die alle Arten von Schuld-Papieren ausgeben (wollen).

Dass es mit der Bonität von Ländern wie Griechenland, Portugal und Irland nicht weit her zu sein scheint erkennt sogar der Laie auf den ersten Blick. Denn warum sonst müssten solche Länder von den Euro-Mit-Leidensgenossen finanziell gestützt werden? Dennoch scheinen gerade die genannten Ratingagenturen mit ihren Einstufungen den finanziellen Kollaps der Euro-Zone noch zu beschleunigen. Denn mit ihren ständigen Herabstufungen tragen diese dazu bei, dass die Käufer von Staatsanleihen mit jeder Abstufung immer höhere Zinsen für ihr geliehenes Kapital verlangen.

Der jüngste Herabstufungsfall betraf ja nun mit Italien eine Nation, die zwar nicht unbedingt für ihre Sparsamkeit bekannt ist, die aber bisher noch nicht direkt in den Fokus der Pleitejäger gerückt war. Wieso stufte man nun die Bonität Italiens ab, das allein auf Grund seiner Größe und Wirtschaftskraft eher die Chance hat, den Kopf nochmals aus der Schlinge zu ziehen? Ging es dabei vielleicht gar nicht um Italien, sondern lediglich darum, von den Problemen im eigenen Land (USA) abzulenken?

Denn die USA sind ja bekanntermaßen schon an ihrer festgesetzten Schuldenobergrenze angekommen. In wenigen Wochen könnten Sozialhilfeempfänger keine Sozialhilfe, Rentner keine Rente und Staatsbedienstete kein Gehalt mehr bekommen. Und trotzdem halten alle drei US-amerikanischen Ratingagenturen an der Bestnote AAA für die Vereinigten Staaten fest. Hat gar die US-Regierung „ihre“ Ratingagenturen an die Kandare genommen, um das „Alte Europa“ finanziell auszubooten?

Deren Vertreter verstricken sich indes immer mehr in endlose Diskussionen und ausufernde Rettungspakete. Statt die Probleme konstruktiv anzupacken und den Rat der erfahrensten Wirtschaftswissenschaftler einzuholen, diskutiert man lieber über die Einführung einer eigenen Ratingagentur, mittels derer man dann auch Ramschpapiere wie die aus Griechenland & Co. wieder auf ein exzellentes Bonitätsniveau heben und damit einmal mehr die wahren Verhältnisse verschleiern könnte.

Die angeschlagenen Iren wollen nun übrigens bald ihre eigene Ratingagentur ins Leben rufen. Geplanter Name: Moody’s and Poor’s – zu Deutsch: mürrisch und arm!

Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? – Sind Ratingagenturen nicht einfach nur eine Glaubensfrage? Werden die bestehenden Ratingagenturen von den Regierenden in den USA beeinflusst? Würde eine europäische Ratingagentur unter der Kontrolle der Euro-Finanzminister Sinn machen? Kann sich Italien noch retten? Wie zufrieden sind Sie mit dem Aktionspaket, das bisher zur Eindämmung der Schuldenkrise auf den Weg gebracht wurde? – Ich bin auf Ihre Meinungen und Lösungsansätze gespannt!

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11 Gedanken zu “Alles Moody’s oder was?

  1. Das Verhalen der Rating-Agenturen gegenüber Europa ist richt, das gegenüber den USA ist falsch. Denn auch dort müssen die gleichen Maßstäbe angelegt werden. An der Unabhängigkeit der USA-Rating-Agenturen sind somit zumindest Zweifel angebracht.
    Aus diesem Grund sage ich auch “ja” zu einer europäischen Agentur.
    Europäische Politik darf hier aber nur den Anstoß für eine völlig unabhänge Rating-Agentur geben. Auf gar keinen Fall darf eine solche Institution von Politikern besetzt, beaufsichtigt oder zur Durchsetzung politischer Interessen missbracht werden.
    Ausufernde Staatsverschulung ohne Rücksicht auf die längerfristigen finanziellen Konsequenzen sind immer politisch verursacht. Wie um Himmels willen sollen später die gleichen Politiker in Ihrer Funktion als Rater ein unabhängiges Rating auf die Reihe bekommen? Wenn schon bei den vermeintlich unabhängen Rating-Agenturen in den USA der Verdacht aufkommt, dass diese das eigene Land schonen, dann wäre die Meinung einer politisch geführten europäischen Agentur lediglich das Spiegelbild des politischen Willens in Europa und von nur marginaler Bedeutung für Investoren.
    Auf der anderen Seite kann es für die Finanzwelt nicht gut sein, wenn die geballte Rating-Kompetenz alleine in den USA angesiedelt ist.
    Europa braucht eine eigene unabhängige Rating-Agentur! Erste Stimmen wurden schon zu Beginn der Finankrise laut. Warum wohl sind auf die Worte bis heute keine Taten gefolgt?

    • Herr Bernhardt, meinen Sie wirklich, dass eine europäische Ratingagentur, die von der Politik und gesteuerten Banken ins Leben gerufen wird, um einen Gegenpol gegen die Mainstream-Rating-Agenturen der USA zu bilden, dann nicht auch von der politischen Kaste gesteuert oder zumindest stark beeinflusst werden wird?

  2. sehr geehrter Herr Tim Roedel, das unabhängige Rating ist für den Investor die BESTE. Sehen Sie bitte bei Weiss Rating nach. Wo steheh da bitte schön die USA, Deutschland und alle Länder mit Tripel A…

    • Ja, Herr Broger, das mag sein, nur mangelt es Weiss Ratings zum einen am Bekanntheitsgrad und zum anderen an Akzeptanz. Dass deren Einschätzungen dabei schon eher die Realität widerspiegeln, fällt dabei leider nicht schwer genug ins Gewicht.

  3. Tja, Herr Roedel, vielleicht traue blauäugig ich der Politik doch mal einen großen Wurf zu. Mir fehlt die Fantasie wie aus dem Nichts eine europäische Rating-Agentur entstehen könnte.
    Oder wollen wir mit den Befürwortern einer unabhängigen Agentur einfach mal eine gründen?

  4. @Rainer Bernhardt

    Vielleicht sollte man die Agenturen schlicht juristisch verbieten. Wäre im Prinzip das einfachste um diesem zirkulären Irrsinn einen Riegel vor zu schieben.

    • Das halte ich nicht für möglich. Man könnte ja gleichzeitig auch die Charttechnik verbieten. Das würde nicht viel Unterschied machen. Mit der eigentlichen, ursprünglichen Bedeutung der Börse an sich hat nämlich beides nichts mehr zu tun. Ursprünglich ging es mal darum, dass Unternehmen sich Geld für Investitionen, Wachstum etc. besorgen und Investoren Anteile an einem Unternehmen erwerben konnten. Kursschwankungen beruhten auf fundamentalen Daten. Heute schaut nur jeder auf irgendwelche statistischen Kennzahlen und bunte Chartbildchen, um Investitionsentscheidungen zu treffen.

  5. Geister, die man rief, um die Verantwortung weiter schieben zu können,
    wird man nicht wieder los.
    Dabei ist die Lösung einfach: Würden die Rating-Agenturen für fehlerhafte Ratings haften, was sie derzeit aufgrund ihrer AGB nicht tun und deren Ergebnnisse nicht von der Politik für die Zentralbanken als verbindlich erklärt, gäbe es weder derart viele offensichtlich falsche Ratings ( Bsp.: USA: fast pleite aber Tripple A oder BRD: Verschuldungsgrad derzeit ca. 84 % des BIP, also nahe der Pleite, trotzdem Tripple A ) noch das Gejammere der Politik über nicht gewünschte Ergebnisse!
    Dann wäre auch von der Politik wieder verantwortungsbewusstes Denken und Handeln gefragt!

    • Das kann man so eigentlich unterschreiben. Jeder denkts, aber keiner traut es sich zu sagen – oder gar etwas an dem kranken System zu ändern!

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