Die Griechenland-Posse: Streik statt harte Arbeit – wann fällt der letzte Vorhang?

Des Dramas X-ter Akt: Die Hauptdarsteller

Auch in diesem Monat heißt das Top-Wirtschafts-Thema wieder Euro-Krise. Im Blickpunkt stehen dabei vor allem der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou, das griechische Volk und die Finanzminister der Euro-Staaten.

Das schwere Los des Giorgos Papandreou

Giorgos Papandreou, griechischer Ministerpräsident und geborener US-Amerikaner, ist um seinen Job wahrlich nicht zu beneiden. Gerade erst die Vertrauensfrage im Athener Parlament überstanden, fällt ihm nun endgültig die Rolle zu, die seine bisherigen Vorgänger – darunter übrigens auch sein Großvater Georgios Papandreou und sein Vater Andreas Papandreou (Schande über den, der da gleich an Vetternwirtschaft denkt!) – stets versucht haben zu vermeiden: die des Insolvenzverwalters des eigenen Landes!

Er hat nun die zweifelhafte Ehre, Griechenland abzuwickeln, denn einen anderen Ausweg wird es für die Hellenen nicht geben. Zu lange haben diese auf Pump gelebt, haben im großen Stil Steuern hinterzogen, Subventionen für nicht vorhandene, landwirtschaftliche Flächen bezogen, sich selbst korrumpiert, tausendfach Renten für Tote abkassiert und sich selbst die Rente mit 55 und 13, 14 oder noch mehr Monatsgehälter gegönnt.

Wohlstand auf Pump

Das alles auf Kosten der eigenen Staatskasse oder der anderen EU-Länder, von denen die griechischen Subventionen stets mitfinanziert wurden. Wobei das „Leben über die eigenen Verhältnisse“ ja keine ur-griechische Erfindung ist. Griechenland, Portugal und mit Abstrichen auch Irland galten einst als die Armenländer (West-)Europas.

Das wollten diese natürlich nicht auf sich sitzen lassen und am (hart erarbeiteten) Wohlstand der anderen europäischen Staaten teilhaben. Und dazu möglichst wenig selbst beisteuern. Dies wiederum konnte und kann nun mal nur auf Pump erfolgen. Gesagt, getan, das Ergebnis ist bekannt.

Einsicht nicht in Sicht

Nun, da die Karre im Dreck steckt, will sich in Griechenland dennoch noch immer keiner so richtig die Hände schmutzig machen und durch Verzicht und harte Arbeit versuchen, die Fehler der Vergangenheit rückgängig zu machen. Man setzt lieber auf Generalstreiks und Randale. Was die Griechen damit erreichen wollen, ist dem neutralen Betrachter zumeist ein Rätsel. Eine Staatspleite Griechenlands? Einen Austritt aus der Eurozone?

Dass man sich damit ins eigene Fleisch schneiden wird – und im Vergleich zum Rest der Euroländer wieder in die alten Zeiten, als man als Armenhaus Europas bezeichnet wurde, zurückfiele –, das sehen die wenigsten. Immerhin würde eine Staatspleite, eine Umschuldung und/oder ein Austritt aus dem Euro-Raum zwangsläufig bedeuten, dass die griechischen Banken (und nicht nur die!) pleitegehen müssten, dass man einen Teil seiner Spareinlagen verlieren würde und dass die neue griechische Währung im Vergleich zum Euro weitaus weniger an Wert besäße.

Undank ist der Welten Lohn

Doch davon will in Griechenland fast keiner etwas wissen. Schuld sind wie immer die bösen Politiker. Die waren es nämlich, die das Land erst soweit gebracht haben, die in der Vergangenheit Berichte gefälscht und falsche Zahlen vorgelegt hatten, um überhaupt in den Euro-Raum aufgenommen zu werden. Schuld sind auch Länder wie Deutschland, denen es wirtschaftlich besser geht.

Dass dieser Status nur durch harte Arbeit und Verzicht (Deutschland hatte seit dem zweiten Weltkrieg beispielsweise immer das höchste Renteneintrittsalter aller europäischen Staaten) erreicht werden konnte, davon möchte in Griechenland niemand etwas hören. Stattdessen sucht man sein Heil lieber im Protest gegen die anderen Euro-Länder, der sogar in einer EU-Flagge mit Hakenkreuz in der Mitte seinen Ausdruck fand.

Vielleicht aber sollte man den jungen Leuten in Athen und anderen griechischen Städten den Protest nicht übel nehmen. Denn die sind im „erschlichenen“ Wohlstand aufgewachsen und kennen nichts anderes. Jetzt sollen sie diesen wieder aufgeben, nur weil es das Ausland so will? Zugegeben, das ist nur schwer vorstellbar.

Von Schnellschüssen und rollenden Köpfen

Der Lösung des „Problems Griechenland“ kommt man derweil keinen Schritt näher. Und das liegt nicht nur an der Sturheit der griechischen Bevölkerung. In Griechenland sollte momentan eigentlich nur eine Priorität herrschen: eisernes Sparen!

Genau das versuchte der bisherige Finanzminister Giorgos Papakonstantinou zu erreichen. Unter anderem setzte er mehrfach eine Erhöhung der Mehrwertsteuer durch und kürzte die Gehälter von Beamten. Dass das nicht auf Gegenliebe stoßen würde, musste jedem vernünftig denkenden Menschen klar gewesen sein. Jedoch gab es dazu keine Alternative und der von Papakonstantinou eingeschlagene Weg schien der einzig richtige.

Dennoch setzt man nun in Athen lieber auf Schnellschüsse. Um das Volk auf den Straßen zu beruhigen, hat Ministerpräsident Papandreou Papakonstantinou wieder abgesägt und stattdessen den bisherigen Verteidigungsminister Evangelos Venizelos zum neuen Landeskämmerer ernannt. Nur: Was soll der anders machen?

Klappe zu – Euro tot?

Es scheint, als ob man selbst in Griechenland nicht mehr an eine Rettung glaubt. Und der Rest der Euro-Zone? Nun ja, wie so oft flüchtet man sich in Endlosdiskussionen und zeigt wenig Mut zum Risiko. Planlosigkeit und Uneinigkeit bestimmen das tägliche Bild.

Soll man nun den Rettungsschirm erweitern oder kann Griechenland nur eine Umschuldung helfen? Soll man die Banken mit ins Boot holen oder soll man lieber Griechenland pleite gehen lassen und danach die Banken retten, die sich mit griechischen Staatsanleihen verzockt haben? Soll man einfach weiterwurschteln und es damit keinen Deut besser machen als die Griechen, die dies in den vergangenen Jahrzehnten praktiziert haben? Lieber doch ein Schrecken ohne Ende oder den Mut zu einem Ende mit Schrecken haben?

Klappe zu – Euro tot? – Fortsetzung folgt …

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8 Gedanken zu “Die Griechenland-Posse: Streik statt harte Arbeit – wann fällt der letzte Vorhang?

  1. Sehr geehrter Herr Roedel,
    hat der Mainstream die Godesberger Vermögensunion gekapert?
    Wie steht Ihr Kollege vom Rohstoff-Spiegel, Jan Kneist, zu diesen Ansichten?
    Wieviele Milliarden hat der Papandreou-Clan an der griechischen Tragödie mittlerweile verdient? Von wegen Insolvenzverwalter!
    Meinungen können sich unterscheiden, Wahrheiten eher nicht.
    Vielleicht kann unsere Staatsratsvorsitzende den Menschen im Sauerland einen vom Pferd, äh den faulen Griechen, erzählen. Sie sollten sich an diesem miesen Spiel nicht beteiligen und die Völker gegeneinander aufhetzen.
    Mit freundlichen Grüßen
    JM

    • Sehr geehrter Herr Meyer,
      richtig ist, dass Griechenland seit dem Zweiten Weltkrieg einen geraumen Zeitraum lang von den Familien Papandreou und Karamanlis – nennen wir es – “dominiert” wurde. Einen Nachweis dafür, dass diese beiden Dynastien Milliarden an Griechenland “verdient” haben, gibt es meines Wissens nach bis dato nicht. Auch wenn das natürlich im Bereich des Möglichen, evtl. sogar im Bereich des Wahrscheinlichen liegen könnte. Von daher ist das mit den Wahrheiten so eine Sache…
      Ich denke nicht, dass ich die Völker gegeneinander aufhetze. Dies könnte man eher der politischen Kaste zuschreiben, die neben dem gesellschaftlichen Unfrieden in Griechenland nun auch noch einen in den jeweiligen Euro-Ländern, vor allem in Deutschland, schürt, indem man immer mehr und mehr Milliarden nach Griechenland überweist, wohlwissentlich, dass das Geld aller Voraussicht nach niemals zurückkommen wird. Der andere Weg wäre es, Griechenland pleite gehen zu lassen. Dann würde augenscheinlich zunächste einmal “nur” in Griechenland Mord und Totschlag herrschen. Gut, deutsche Banken müssten wieder einmal gerettet werden, andere Nationen würden vielleicht auch zahlnungsunfähig werden. Die Spirale beginnt sich zu drehen. Pensionskassen bzw. -versicherungen müssten den Sparern, angehenden Rentnern etc. mitteilen, dass ihre Ersparnisse leider in Griechenland untergegangen sind usw. Ich denke mal, das würde in Deutschland und anderswo auch nicht viel weniger Unruhe stiften als wie wenn man jetzt Milliarden Euro in Griechenland verbrennt.
      Es gäbe dann ein Ende mit Schrecken, während wir aktuell eher den umgekehrten Fall eines Schreckens ohne Ende haben. Stichwort Inflation. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht dürfte eine Pleite Griechenlands der bessere Weg sein. Man sollte es zumindest versuchen, auch wenn sich die Konsequenzen noch nicht genau abschätzen lassen. Dann gäbs zwar in Griechenland wohl Tote und Verletzte, aber vielleicht ließe sich das für alle anderen Euroländer vermeiden…

  2. Es ist kein Wunder, warum Griechenland am Ende ist. Jahrzehntelang haben in Griechenland Konservative und Sozialisten die Verwaltung aufgebläht wie einen riesigen Luftballon. Wählerstimmen gegen Beamtenstellen – so lief das Spiel. Pro Einwohner leistete sich das Land zuletzt fünfmal mehr öffentlich Bedienstete als etwa Großbritannien. Der Apparat verschlang mehrere Dutzend Milliarden Euro im Jahr – Geld, das der Staat nie hatte. Das Land ist meines Erachtens am Ende. Auch, das Sparpaket wird Griechenland nicht auf die Beine bringen. Es wird Zeit, dass die Griechen aus dem Euro austreten.

    • Damit liegen Sie sicherlich nicht falsch. Ein ähnlich aufgeblähter Beamtenapparat besteht jedoch gerade auch in Deutschland. Immerhin hat man nun erkannt, dass es auf Grund der guten wirtschaftlichen Lage und damit gesunkener Arbeitslosenzahlen aktuell einfach zu viele Angestellte in den Arbeitsagenturen gibt, die mehr oder minder beschäftigt sind. So schlecht das für die Betroffenen ist, das Beispiel zeigt auf, dass ein Großteil des Beamtentums ein längst überholtes Relikt aus der Zwit von Königen und Kaisern ist. Nicht nur allein wegen der mangelnden Flexibilität, wie eben jetzt bei der Frage nach einer Verschlankung der Arbeitsagenturen. Wobei wir jetzt natürlich weit entfernt vom eigentlichen Thema sind. Ein alter Spruch sagt: “Das Beamtentum erschafft sich selbst”. Auf das scheinbar stark von Vetternwirtschaft geprägte Griechenland trifft diese Aussage sicherlich in gewissen Teilen zu, ja.

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